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Miggi auf der Steinwildjagd

Die Steinwildjagd ist ein seltenes Privileg für wenige Jäger. In Graubünden ist es so geregelt, dass man sich nach 5 Jahren zum ersten Mal anmelden darf. Ich wartete gespannt auf die Anmeldezeit und machte mir Gedanken welches Gebiet ich bejagen möchte. Mein Wunschgebiet war die Kolonie Julier Nord oder Rothorn, denn diese Gebiete kenne ich durch die Hochjagd. Doch dieser Plan ging mir nicht auf. Als die Anmeldezeit begann, wurden auch die Kolonien bekannt gegeben. Julier Nord und Rothorn waren nicht aufgelistet. Also meldete ich mich im Gebiet Julier Süd an. Ich hatte zwar keine Ahnung wo es ist aber diese Herausforderung nahm ich an.

Nach einiger Zeit bekam ich Post vom Kanton. Ich öffnete gespannt den Brief und freute mich sehr, als geschrieben stand, dass sie mich zugeteilt hatten. Die nächsten Daten wurden im Brief auch schon bekannt gegeben. Der Infoabend und die Steinwildbegehung sind obligatorisch. Beim Infoabend wurde erklärt auf was man beim Steinwild achten muss, die Altersschätzung und die Zuteilung an den Wildhüter. Am nächsten Tag war die Steinwildbegehung. Die Jäger vom Gebiet Julier Süd trafen sich bei einem Parkplatz in Maloja. Alle waren da und wanderten los. Das Gebiet um den Piz Lunghin ist herrlich. Übersichtlich, genügend Deckung und das wichtigste bei der Jagd, nicht allzu gefährlich. Die Wildhüter erklärten, wem welcher Sektor gehört und wo sich das Steinwild aufhält. Doch ich wurde in einem anderen Sektor zugeteilt. Ich war in der Val Maroz und Septimer zugeteilt worden. Die Begehung war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich weil Steinschlaggefahr herrschte. Also ging ich während der Hochjagd in mein zugeteiltes Gebiet und hatte auch schon Anblick. Die Tage vergingen und der 5.Oktober rückte immer näher. Einen Tag bevor es losging bekam ich noch die letzten Infos vom Wildhüter und los gings.

Tag 1 Der Anfang

Mit voller Euphorie und Optimismus liefen ich und meine Mitläufer, Mariella und Mumi los. Wir liefen 2 Stunden auf einem Weg der schon die Römer nutzten und bestaunten die eindrückliche Bauart von damals. Danach waren wir im Gebiet angekommen. Nach ein paar Minuten spiegeln erblickte Mumi schon die ersten Steintiere. Wir schmiedeten den Plan und der hiess Angriff, doch Wanderer machten uns einen Strich durch die Rechnung also suchten wir den ganzen Tag lang nach den Tieren. Doch kein Erfolg, entweder waren sie in einem anderen Sektor oder viel zu weit weg. Als wir beschlossen uns auf den Rückweg zu machen erblickte Mumi wieder ein Rudel von Steingeissen und einem Bock in meiner Altersklasse. Die Zeit drängte und wir griffen an. Nach mühsamen Schritten durch Erlensträucher und Felsen waren wir schliesslich auf Schussdistanz. Zwei Geissen standen schön, doch wir konnten einfach nicht erkennen, ob sie erlaubt oder säugend waren. Wir entschlossen uns abzubrechen und liefen zurück.

Tag 2 Wetter kann Mühsam sein

Dieser Tag ist schnell erzählt, denn das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung und wir sassen den ganzen Tag im Nebel.

Tag 3 Neues Terrain

Der Wildhüter erzählte mir und meinem Mitläufer Marco Kollegger, dass er Steinwild auf dem Septimer gesichtet hätte und wir dort unser Glück versuchen sollten. Das Panorama und die Römerwege begleiteten uns auch auf den Septimer, da muss man einfach immer wieder Pause machen um dies zu bewundern. Doch nach ca. 3 Stunden erblickten wir ein Rudel Steinwild. Die Geissen weideten unterhalb der Bergspitzen. Sodass wir ruhig und gedeckt an die Tiere herankamen. Doch die einzigen zwei erlaubten Tiere waren markiert und somit nicht Jagdbar. So ist Jagd dachten wir, und suchten nach anderen Tieren aber ohne Erfolg.

Tag 4 Hauptsache schönes Wetter und herrliche Aussicht

Wir liefen wieder mal los und mussten in die Val Turba hoch. In der Val Turba sahen wir 53 Gämse aber leider kein Steinwild.

Tag 5 Die Nerven versagten

Wir bekamen eine Verschnaufpause und durften auf den Piz Lunghin. Nach 1 Stunde Fussmarsch waren wir schon auf Schussdistanz, doch meine Nerven versagten und es ging daneben. Ich informierte, dass ich versagt hatte und musste die Jagd abbrechen, denn die Antwort lautete, ich hätte meine Chance bekommen und wer sie nicht nutzt habe Pech gehabt. Der Sektor für den nächsten Tag teilte er mir auch schon mit und ich musste passen, denn das Gelände war uns zu gefährlich, somit llegten wir einen Ruhetag ein.

Tag 7 Mumi hat wieder Kräfte getankt

Der Nebel spielte uns wieder einen Streich doch wir stiegen trotzdem hoch. Der Wildhüter teilte uns den Sektor bei der Alp Maroz zu. Die einheimischen Jäger hatten die Jagd erfolgreich beendet. Wir sahen plötzlich bei einer Nebellücke Steingeissen und machten uns im Nebel auf den Weg. Kurz vor Schussdistanz bemerkte uns eine Gämse und verpfiff uns.

Tag 8 der Tag der Erlösung

Meine Mitläufer waren verletzt oder verhindert und ich machte eine Pause, denn alleine ist die Steinwildjagd nicht so von Vorteil. Um 11:00 Uhr wachte ich auf und hatte ein komisches Gefühl. Ich konnte kaum ruhig Mittagessen und entschloss mich trotz der späten Uhrzeit einen Aufstieg zu wagen. Um 15:00 war ich auf der Höhe und staunte als ich sah, dass ich noch 250m von den Steintieren entfernt war. Ich musste mich aber noch näher anpirschen. Geräuschlos und möglichst gedeckt musste ich näher rankommen. Doch die Steingeiss mit einem 2.5 Jährigen Bock bemerkte mich und sie flitzten durch die Felsen weg. Super dachte ich, schon wieder eine Chance versaut und das nur weil ich mit der Geduld auf Kriegsfuss bin. Geduld zu haben ist bei der Steinwildjagd von Vorteil. Doch dann traten plötzlich zwei Geissen hinter einer Felskante hervor. Ich spiegelte und konnte die eine sehr schnell ausmachen, die andere lag die ganze Zeit auf einem Felsvorsprung, sodass ich das Gesäuge nie sah. Ich entschloss mich, um 18:05 einen sicheren Schuss auf die junge stehende Geiss anzubringen. Die junge Steingeiss fiel im Feuer und ich konnte mein Glück kaum glauben. Die Geiss war erlaubt und ich ging mit einem breiten Grinsen und der Geiss auf der Schulter auf den Heimweg. Der Wildhüter holte mich mit dem Auto in der Alp Maroz ab und wertete sie aus. Voller Stolz und Freude präsentierte ich das Tier den Jagdkollegen, meinen Mitläufern und meiner Familie. Ich machte eine Pause, denn ich hatte vor der Jagd schon ein Wochenende in Kastelruth gebucht. Am Montag, voller Motivation, wollte ich noch einmal in die Alp Maroz. Denn ich hatte dort drei Böcke in meiner Altersklasse gesehen, doch der Wildhüter teilte mich in einem anderen Sektor ein.

Tag 9 Nebel der Feind und Freund des Jägers

Ich und Mumi liefen am Morgen los und mussten wieder einmal auf den Septimerpass. Nebel war wieder mal da und machte uns das Leben schwer. Immer wieder lichtete sich der Nebel und gab uns ein bisschen Zeit das Gebiet nach Steinböcken abzusuchen. Plötzlich sahen wir Zwei Böcke beim weiden einen 4.5 Jährigen und einen 2.5 jährigen. Der junge Bock war in meiner Altersklasse. Wir versuchten, sie zu umlaufen, doch wieder waren ein paar Gämsen zwischen uns darum mussten wir eine Planänderung vornehmen. Dieser ging halbwegs in die Hose. Plötzlich stand ich 10m neben dem 4.5 Jährigen Bock der im Nebel auf mich zulief. Eine faszinierende Begegnung die ich nicht so schnell vergessen werde. Doch dann war der Nebel wieder da. Als wir am Ziel angekommen waren machte ich es mir bequem und schlief ein. Nach einiger Zeit weckte mich Mumi und erzählte mir, dass er in einer Nebellücke ein Rudel mit Steingeissen erblickt hatte. Das war super, denn die jungen Böcke halten sich meistens noch bei den Geissen auf. Wir besprachen uns wie das weitere Vorgehen aussehen soll. Wir mussten den Nebel auf unsere Seite bringen. Wir pirschten im Nebel näher. Der Nebel lichtete sich auf und wir spiegelten alles wieder ab. Sie waren noch da und wir sahen, dass zwei Böcke in meiner Altersklasse dabei waren. Wir warteten auf den Nebel und konnten so immer näher kommen. Als wir auf Schussdistanz kamen lichtete sich der Nebel und das Rudel bewegte sich in unsere Richtung. Ich richtete mich ein, nahm den Bock ins Visier und - Nebel. Wieder einmal warten. 10 Minuten später lichtete sich der Nebel wieder und wir fingen von vorne an. Bock suchen, ins Visier nehmen und wieder Nebel. Meine Geduld war schon beim ersten Versuch verloren gegangen. Zum Glück motivierte mich Mumi immer wieder aufs Neue, denn sonst wäre das wohl nicht so gut herausgekommen. Nach 30 Minuten dann die Erlösung, das Nebelloch war gross genug um den Bock herauszusuchen, ins Visier zu nehmen und einen sicheren Schluss anzubringen. Mumi bestätigte den Treffer und bei mir brachen alle Dämme. Freude, Erleichterung, Ehrfurcht und das geleistete in den letzten Wochen kamen alles auf einmal zusammen. Voller Stolz fuhren wir mit dem Bock nach Hause und konnten somit wieder ein schönes Kapitel in unsere Jagderinnerungen einprägen.

An dieser Stelle bedanke ich mich sehr bei Andi Muhmenthaler (Für die Lehrstunden über Steinwild und Geduld), Mariella Cotti, Marco Kollegger, meiner Jagdgruppe und meiner Familie für die nötigen Tipps, Motivationssprüche, das Mitlaufen und die lustigen Stunden. Ein Dank geht auch an das Hauptner Jagd Team für die super Jagdausrüstung.

Fazit und Erkenntnisse

Die Steinwildjagd ist eine schöne aber auch körperlich anstrengende Jagd, die viel GEDULD in Anspruch nimmt unnd von manchen Jägern unterschätzt wird. Aber so eine ruhige und interessante Jagd habe ich noch nie erlebt.

Für die Bündner Jäger, welche nicht wissen wo sie sich anmelden sollen, kann ich die Kolonie Julier Süd nur weiterempfehlen.  


Weidmannsheil


Miggi

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